Spielteilnehmer haben neues Bild von der Energiewende

Planspiel Energiespardorf regt zum Nachdenken an - Wildpoldsried als positives Beispiel

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Was wäre, wenn man alle Straßenlaternen mit energiesparenden LED-Leuchten ausstatten würde? Wenn jeder einen stromsparenden Kühlschrank hätte? Wenn viele Haushalte ihre Heizungspumpen austauschen würden? Welche unterschiedlichen Interessen prallen bei der Energiewende aufeinander? Welche Rolle spielen Bürgermeister, Gemeinderäte, Unternehmer und Bürger? Wer kann wie zum Klimaschutz beitragen?

Die Energiewende nachspielen konnten Unterallgäuer Bürgermeister, Gemeinderäte und Mitglieder der Energieteams beim Planspiel Energiespardorf im Rahmen des Projekts Energiewende Unterallgäu Nordwest. Dabei wurde eine virtuelle Gemeinde mit 6.500 Einwohnern auf dem Spielfeld dargestellt. Die 25 Teilnehmer bekamen verschiedene Gerätschaften, die im Spielfeld eingesteckt wurden: Beleuchtung, Herd, zum Kochen, Waschmaschine, Kühlschrank/Gefrierkombination usw..

Parallel dazu wurde der durch die Geräte verursachte Stromverbrauch dargestellt. Mit jedem Gerät, das dazu kam, stieg der  Gesamtstromverbrauch in der Gemeinde an. Am Ende summierte er sich auf 11.050.000 KWh im Jahr. Damit fließen mehr als 2,5 Millionen Euro als Stromkosten aus der Gemeinde ab, da der Strom überwiegend von außen bezogen wird. Die hohen Summen lösten bei fast allen Anwesenden großes Erstaunen aus. Der jährliche Abfluss an Geld durch Energiekosten ist bei mehreren Gemeinden höher als der aktuelle Schuldenstand. 

Anschließend bekam jeder Spieler eine Rolle zugeteilt (Bürgermeister, Pfarrer, Unternehmer, Elektriker, AKW-Betreiber, Landwirt, Naturschützer, Kämmerer usw.). In der anschließenden Gemeinderatssitzung ging es darum, den Anteil Erneuerbarer Energien zu erhöhen, um die Wertschöpfung in der Region zu halten. Dabei wurden die unterschiedlichen Interessenskonflikte sichtbar: Landwirte wollten zum Beispiel keine Flächen für PV-Freiflächenanlagen opfern. Der Pfarrer sorgt sich um das Landschaftsbild rund um die Kirche. Mit der Nachbargemeinde entwickelte sich ein Konflikte wegen des geplanten Windrads an der Gemeindegrenze. Die Bürger konnten beschwichtigt werden, indem sie an den Anlagen beteiligt wurden.

Ähnlich wie im richtigen Leben in Wildpoldsried. Das Dorf im Norden des Landkreises Oberallgäuer schaffte es tatsächlich innerhalb von 20 Jahren, von der ganz normalen Allgäuer Gemeinde zum weltweit bekannten Energiedorf zu werden – dank eines Bürgermeisters, seines Stellvertreters und weiteren Motoren, die die Projekte und Ideen kontinuierlich vorantrieben. Wichtig war eine intensive Einbindung und Beteiligung der Bürger – von Anfang an. Das Beispiel Wildpoldsried zeigt, welches Potenzial gerade für ländlich geprägte Kommunen in der Energiewende steckt.

Die Spielteilnehmer zogen eine positive Bilanz. Einige von ihnen machten sich mit einem anderen Bild von der Energiewende auf den Weg nach Hause.